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Die Gründungszeit der Freiwilligen Feuerwehr Scheinfeld fällt in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, als Scheinfelder Bürger bemüht waren, das Feuerlöschwesen in ihrer Stadt zu reorganisieren und auf den neuesten Stand zu bringen. Diese Bemühungen wurden besonders vom Turnverein getragen. Bereits im Juli 1864 lud der Scheinfelder Turnverein zu einer Versammlung ein, die die Gründung einer Feuerwehr beabsichtigte. Aber erst eine Zusammenkunft im März 1869 führte zum gewünschten Ergebnis, nämlich der Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr. In einem Schreiben vom 12.03.1869, bat der Turnverein die Stadt um Unterstützung bei der Beschaffung von Ausrüstung (ca. 200 Gulden). Vorhanden waren zwei Feuerlöschmaschinen älterer Konstruktion, eine zweirädrige Maschine, sowie einige Leitern und Hacken, die aber sämtlich veraltet waren. Da die erforderlichen Ausgaben weder durch die Gemeindekasse noch durch Spenden des Fürsten von Schwarzenberg und durch eine außergewöhnliche Spende der Bewohner Scheinfelds aufgebracht werden konnten, musste der Magistrat auf "Betteltour" gehen. Eine Unterstützung von 50 Gulden, die zweckgebunden für den Kauf von Löschgeräten gewährt wurde, erfuhr die Stadt Scheinfeld durch die Feuerwehrversicherungsanstalt der bayerischen Hypotheken und Wechselbank. Es wurde auch versucht die restlichen Kosten mit einer Sammlung von freiwilligen Spenden unter der Bevölkerung der Stadt zu decken. Aber auch dieser Versuch scheint nicht zur Zufriedenheit des Stadtrates ausgefallen zu sein, da in der Stadtratssitzung vom 24.11.1869 der Beschluss gefasst wurde, von jedem neu aufgenommenen Gemeindebürger bis zu 3 Gulden als Sondergabe zur Finanzierung von Feuerlöschgeräten zu verlangen. Aber auch dieser Beschluss dürfte schon im Ansatz gescheitert sein, da ein Bleistifteintrag am Rande mitteilt, dass der Beschluss nicht aufrechtzuerhalten war, da die Anschaffung von Feuerlöschrequisiten zu den allgemeinen Pflichten der Gemeinden gehört.

Mit dem deutsch-französischen Krieg wurden die Bemühungen der Scheinfelder um eine Neuorganisation schlagartig unterbrochen. Erst im Jahre 1873 waren wieder Neuansätze greifbar. Aus diesem Jahr stammen die ersten Satzungen sowie die ersten Nachrichten über ein zunächst provisorisches Kommando der FF Scheinfeld. In einem Fragebogen über das Feuerlöschwesen aus de Jahr 1887 wird das Gründungsdatum mit dem 13. April 1873 angegeben - ein Datum, das ansonsten nicht weiter bezeugt ist. Damit ergibt sich, dass die FF Scheinfeld zweimal gegründet worden ist - 1869 und 1873. Dieses Kuriosum ist durch die Zeitumstände leicht erklärbar, da mit dem Krieg von 1870/71 das Deutsche Reich gegründet worden war und Bayern aufgehört hatte, ein souveräner Staat zu sein. Im Jahre 1872 beriet der Stadtrat über den Ankauf einer Feuerlöschmaschine die immerhin stattliche 1300 Gulden kostete. Um diese Summe aufbringen zu können, richtete die Stadt eine Bitte um finanzielle Unterstützung an die Regierung von Mittelfranken. Außerdem wurde die Bitte an den Fürsten von Schwarzenberg positiv beantwortet. Er erklärte sich bereit, einen Zuschuss von 150 Gulden für die Beschaffung von Feuerwehrausrüstung zu bewilligen. das provisorische Kommando der FF Scheinfeld erinnerte die Stadt, die bei der Gründung geleisteten Zusagen über die Beschaffung von Geräten einzuhalten und rasch anzuschaffen.

Am 15. Juli 1873 fanden die ersten Wahlen in der Freiwilligen Feuerwehr Scheinfeld statt. Für den Zeitraum 1873/74 wurde August Simader zum ersten Feuerwehrkommandanten gewählt. Sein Adjutant wurde Johann Schmidt. Zum Vorsitzenden des Vereins bestimmte man Bürgermeister Röhrig. Ebenfalls aus dem Jahre 1873 stammen die ersten Satzungen und die Dienstordnung für die Mitglieder. Nach § 19 der allgemeinen Dienstordnung bestand die Feuerwehr aus drei Abteilungen: 1. Steigen und Schlauchführer, 2. Spritzenmannschaft und 3. Rettungsmannschaft. Nach dieser Dienstordnung waren die Rechte und Pflichten der Feuerwehrmänner geregelt: Jeder Feuerwehrmann verpflichtet sich auf Ehre und Gewissen vor versammelten Mannschaft, die Statuten und Dienstvorschriften in allen ihren Teilen genau zu erfüllen, seinen Führern bei allen Vorkommnissen Gehorsam zu leisten und sich in der Stunde der Gefahr mit allen zu Gebote stehenden Kräften dem Feuerwehrdienst zu widmen, getreu dem Wahlspruch der Feuerwehren "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr".


Die Alarmierung erfolgte durch die Signalisten mit ihren Signalhörnern. Das militärische Prinzip des Befehls und festen Gehorsams waren damals in der Feuerwehr groß geschrieben. Mit dem Jahr 1873 war die FF Scheinfeld etabliert und konnte nun kontinuierlich ihren Ausbau vorantreiben, sowie die von ihr geforderten Aufgaben erfüllen. Vordringliches Problem blieb die Beschaffung von Gerät - vor allem Schlauchmaterial - sowie die Genehmigung der für den Dienst notwendigen Maßnahmen durch die Stadt Scheinfeld. Die Alarmierung sollte nach Meinung der Feuerwehrführung auch durch Glockenzeichen und nicht nur durch Trompetensignale erfolgen. Die Finanzlage der Stadt blieb prekär. Nach Ablehnung einer Spendenbitte durch die Münchener-Aachener Mobiliarfeuerversicherungs-gesellschaft wandte sich die Stadt sogar an den König von Bayern. Immerhin erhielt sie 1874 vom Königlichen Bezirksamt 20 Gulden, ein Jahr später wieder 15 Gulden und 1875 von der Bayerischen Staatsregierung sogar 100 Gulden zur Tilgung der Ausrüstungsschulden.

Die Feuerwehr spaltete sich in eine Pflicht- und eine Freiwillige Feuerwehr auf. Das nebeneinander der Freiwilligen Feuerwehr und der Pflichtfeuerwehr blieb bis zum Ende des 2. Weltkrieges bestehen. Leider gibt es erst ein Schreiben vom April 1926 Auskunft über die damals aktuellen Kriterien. So hatten 1926 alle männlichen Personen in Scheinfeld vom 18. bis zum 50. Lebensjahr, bei Beamten lediglich vom 18. bis zum 35. Lebensjahr, ihren Dienst in der Pflichtfeuerwehr zu leisten. nach den Mitgliederverzeichnissen aus dem Jahr 1874 gab es eine Spritzenmannschaft und eine Rettungsmannschaft mit jeweils 26 Mitgliedern, wobei man bei der Rettung zwischen Ausräumern (12) und Bewachern (14) unterschied. Außerdem waren zwei Leute für die Wasserleitung und zehn Personen für die Bereitstellung von Fuhrwerken verantwortlich. Zudem gab es noch sechs Feuerläufer. Nach einem Fragebogen von 1887 bestand die Freiwillige Feuerwehr einschließlich Vorstand und Kommandant aus 61 Personen. Die Pflichtfeuerwehr umfasste 111 Mitglieder. Die Uniformierung bestand aus dunkelgrauen Leinen-Dienströcken, Leder- und Messinghelmen (für den Kommandanten und seinen Adjutanten) sowie Dienstmützen. Die Alarmierung erfolgte von den Türmen mittels Trompetensignalen aus. Den Feuerreiterdienst übernahmen drei Mitglieder der Pflichtfeuerwehr. Sie waren notwendig weil Scheinfeld keine Telegraphenstation mit Nachtdienst besaß. Die weiteste Entfernung, die die Feuerwehr auszurücken hatte, betrug zwei Kilometer außerhalb des Gemeindegebietes. An Lösch- und Rettungsgeräten besaß Scheinfeld nun eine 4rädrige Saug- und Druckspritze, je eine 4- und 2rädrige Druckspritze ohne Saugwerk, sowie eine fahrbare Schlauchhaspel und einen Mannschaftstransportwagen. Darüber hinaus gab es je 20 Eimer aus Leder bzw. Hanf, 1 Schlauchbrücke, je 170 Meter gummierte bzw. gewöhnliche Hanfschläuche und sieben Saugschläuche. Neben einer neun Meter hohen Anstellleiter verfügte die Feuerwehr noch über je sechs Haken- bzw. Dachleitern. 1886 wurden 16 Übungen für die Freiwillige Feuerwehr und zehn Übungen für die Pflichtfeuerwehr abgehalten. Als Wasserentnahmestellen standen der Feuerwehr neben der Wasserleitung fünf Brunnen, ein Bach und ein Weiher in unmittelbarer Nähe der Stadt zur Verfügung.

Um 1880 häuften sich Hinweise, dass es um die innere Organisation der Feuerwehr nicht zum Besten stand. So mahnte im Juni und Oktober 1880 das Bezirksamt, dass die Handhabung der distriktspolizeilichen Feuerlöschordnung gewissenhafter beachtet werden müsse und unbefugte vom Brandplatz zu entfernen seien. Darüber hinaus sei die Zahl der anwesenden Pflichtfeuerwehrmänner am Brandplatz viel zu gering, was auf eine bedenkliche Einsatzmoral schließen ließ. Weiterhin klappte die Bereitstellung von Pferden und Fuhrwerken für die Feuerwehr nicht, die im Brandfall benötigt würden. Im Jahr 1889 wurde die Inspektion der Feuerwehr durch einen Bezirksfeuerwehrvertreter angekündigt, von deren Durchführung aber leider nichts bekannt ist. In einem Schreiben vom 17. Juli 1889 an die Stadt Scheinfeld forderte die Feuerwehrführung nicht nur neue Gerätschaften, sondern auch die Anmietung der Pfarrscheune als Löschmaschinenhalle, da der derzeitige Raum im Schulhaus zu klein geworden war. Neben der Lösung des leidigen Problems der Bereitstellung von Pferden, wünschte die Feuerwehr auch die Anlage zusätzlicher Wasserreservoirs im Stadtgebiet. Im folgenden Jahr unterstützte das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten den Antrag auf Anmietung der Pfarrscheune für die Feuerwehr, es dauerte aber noch bis zum Juli 1896, bis diese tatsächlich der Feuerwehr zur Verfügung stand.


Nachrichten über die Feuerwehr Scheinfeld setzen erst wieder mit dem Jahr 1924 ein. Damals schrieb die Leitung der Feuerwehr zahlreiche Bittbriefe an die Stadt, damit neue Schläuche und Uniformen angeschafft werden. Dramatisch unterstützt wurden diese Bemühungen durch mehrere Wohnhaus- und Scheunenbrände im Jahre 1925, die die Notwendigkeit einer ausreichenden Ausrüstung deutlich machten. Eine Überprüfung der Gerätschaften im Januar 1926 brachte ein unbefriedigendes Ergebnis: Die große Leiter war in ihrer Funktionsbereitschaft eingeschränkt und die Pfarrscheune war durch Stroh und anderen Unrat verschmutzt. Weiterhin war die Pfarrscheune im Laufe der Jahre zu klein geworden. Daraufhin gab man am 19. Mai 1927 das Gebäude auf und zog in die Scheune des Schwabschen Hauses um. Sie war als Provisorium gedacht und sollte nur so lange benutzt werden, bis ein vom 18. Juli 1927 datierter Plan für ein neues Feuerwehrgerätehaus (4,5 x 9 Meter) an der Hauptstraße errichtet wurde. Das neue Gerätehaus wurde der Wehr 1928 übergeben. Seit dem Jahre 1926 wurde ein Protokollbuch bei der Freiwilligen Feuerwehr Scheinfeld geführt, das die wichtigsten, die Feuerwehr betreffenden Ereignisse festhält und somit eine wertvolle Quelle über die weitere Entwicklung darstellt. Die Eintragungen beginnen mit der Generalversammlung vom 7. Januar 1926, auf der man Johann Walter zum Vorstand und Karl Lax zum Kommandanten wählte. Im gleichen Monat kam die Feuerwehrführung der Aufforderung des Bezirksamtes nach und legte für alle Feuerwehrleute eine Grundliste an, die ihren jeweiligen Namen, Stand, Geburtsdatum und Wohnung enthielt. Nach dem Jahresbericht für 1926 wurde auch ein Armaturen-, Inventar- und Dienstbuch angelegt. Nach diesen Informationen ist zu vermuten, dass mit dem Jahr 1926 die Feuerwehr Scheinfeld, die damals 134 Mitglieder zählte, einen organisatorischen Neuanfang gemacht hat.

Ende der 20er Jahre begann die Feuerwehrführung und der Stadtrat mit der technischen Erneuerung der Scheinfelder Feuerwehr. Anstelle von Pferdefuhrwerken wurde nun das Postauto als Transportmittel für die Feuerwehrleute für Einsätze außerhalb der Stadt eingesetzt. An das Postauto wurde auch die Feuerlöschmaschine bei Einsätzen angehängt. Die Kosten für den gesamten Transport übernahm die Stadt. Dank dieser erheblich rascheren Beförderungsart, konnte im Dezember 1927 eine Scheune in Oberscheinfeld gerettet werden. 1928 wurde eine Motorspritze mit einer Leistung von 600 l/min angeschafft. Im selben Jahr konnte in Scheinfeld eine Sirene für die schnellere Alarmierung installiert werden. 1932 erhielt die Feuerwehr auf Anforderung einen Rettungssack. Im November 1933 beschloss die Vorstandschaft die Anschaffung einer 2rädrigen Paul-Ludwig-Motorspritze mit einer Leistung von 800 l/min. Von den Kosten die sich auf 3.000,- Mark beliefen, hatte die Feuerwehr einen Anteil von 60 Prozent und die Stadt einen Anteil von 40 Prozent zu tragen. 1934 kam diese Motorspritze zum Einsatz. Eine entscheidende Verbesserung des Brandschutzes war der Bau einer neuen Wasserleitung mit feuertechnischen Einrichtungen in Scheinfeld im Jahr 1933. Ab April 1930 konnte der Pflichtfeuerwehrdienst durch eine Feuerschutzabgabe abgegolten werden. Im Mai 1930 wurde dann in Scheinfeld die probeweise Entbindung der bisherigen Pflichtfeuerwehr von Übungen durchgeführt; ihre Mitglieder entrichteten eine jährliche Abgabe. Am 20. September 1934 beschloss der Stadtrat eine allgemeine Feuerschutzabgabe zur Unterhaltung der Freiwilligen Feuerwehr ab dem 1. April 1935.

Zwei vom Bayerischen Landesfeuerwehrverband entworfene Brandberichte haben sich ausgefüllt im Scheinfelder Stadtarchiv wiedergefunden: Am 11. Dezember 1928 um 1.00 Uhr nachts brannten die Scheune, die sich darin befindliche Werkstatt, sowie das Wohnhaus des Zimmerermeisters Johann Hautsch. Die Ortsfeuerwehr war mit 72 freiwilligen und 38 Pflichtfeuerwehrleuten schnell am Brandort. Die Scheinfelder Wehr setzte während des Einsatzes 3 Saug- und eine Motorspritze ein. Ebenfalls alarmierte auswärtige Feuerwehren mussten nicht mehr eingreifen. Nach einer guten Stunde war der Brand gelöscht. Es konnte aber nur das Wohnhaus erhalten werden. Am Morgen des 5. November 1931 brannte das Wohnhaus und der angebaute Ziegenstall des Tagelöhners Michael Knöchlein. Wie sich rasch herausstellte, handelte es sich um eine vorsätzliche Brandstiftung seitens des Besitzers. 86 Feuerwehrleute der FF Scheinfeld waren am Brandort. Während zweistündigen Einsatzes wurde die mechanische Leiter sowie je eine Motor-, Saug- und Druckspritze und vier Strahlrohre eingesetzt.


Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 änderten sich auch die organisatorischen Strukturen innerhalb der Feuerwehren, sowie ihr Aufgabenbereich. Die Feuerwehren wurden nun von einem Landesbranddirektor zentralistisch geleitet, der alle Inhaber von mit Befehlsgewalt und Inspektionsbefugnis ausgestatteten Fuhrerstellen innerhalb der Freiwilligen Feuerwehren selbst ernannte. Ihm zur Seite standen in den jeweiligen Bezirken die Bezirksbrandinspektoren. Damit war den Feuerwehren ein entscheidendes Grundrecht, sich ihren Kommandanten sowie ihre Truppführer selbst bestimmen zu dürfen, genommen worden. In Scheinfeld wurde für den langjährigen Kommandanten Karl Lax, der seit 1925 auch Bezirksfeuerwehrvertreter und seit 1933 Bürgermeister in Scheinfeld war, Leonhard Geisslinger vom Landesbranddirektor am 13. März 1934 zum neuen Kommandanten bestimmt. Als dieser sein Amt zur Verfügung stellte, ernannte der Landesbranddirektor am 12. Juni 1936 Peter Mader zum neuen Kommandanten. Die Feuerwehrkarriere von Karl Lax war mit der Ablösung vom Posten des Kommandanten nicht beendet.

Er, der das goldene Parteiabzeichen der NSDAP erworben hatte, hatte neben seinem Bürgermeisteramt auch das des Ortsgruppenleiters der NSDAP innehatte, wurde Bezirksbrandinspektor und Kreisbrandmeister. Von seinem Engagement für die Feuerwehr profitierte natürlich die eigene Wehr erheblich. Dafür wurde ihm auch von Seiten der Scheinfelder Feuerwehr vielfältiges Lob zuteil. In einem Reichserlass vom 12. Dezember 1935 wurden den Freiwilligen Feuerwehren ein detaillierter Plan zur Ausbildung der Feuerwehrmänner vorgelegt. Er ging an alle Polizeibehörden, die seine Ausführung zu überwachen hatten. Die Ausbildung nach einem Jahresplan für die Freiwilligen Feuerwehren einer mittleren Stadt mit industriellem Einschlag legte z. B. großen Wert auf das Exerzieren und neben den üblichen Feuerwehraufgaben auch auf die Punkte behördlicher Luftschutz, Bekämpfung von Brandbomben auf dem Exerzierplatz, Spreng-, Brand- und Gasbomben: ihr Wirkung, Schutzmaßnahmen. Dies zeigte doch, dass die Feuerwehren zielbewusst zu einer Hilfstruppe der Reichswehr für Kriegszeiten aufgebaut werden sollte.

Der vereinheitlichte Übungsplan der Freiwilligen Feuerwehren im Bezirk Scheinfeld sah am 6. Juni 1935 einen Unterricht über Fliegerbombenangriffe, am 27. Juni Einsatzübungen Dachstuhlbränden, entstanden durch Fliegerbomben und am 26. September gleichen Jahres das Verhalten bei Luftangriffen vor. Exerzieren war bei jeder Übung fast obligatorisch. Im Jahr 1938 musste auf Weisung des Reichsinnenministeriums der Deutsche Feuerwehrverband seine Tätigkeit einstellen. Durch das Reichsfeuerlöschgesetz vom 23. November 1938 wurden alle Freiwilligen Feuerwehren zu Hilfspolizeitruppen umfunktioniert. In § 6 des Gesetzes wurde die Aufhebung aller von den Freiwilligen Feuerwehren gebildeten Vereine und Verbände angeordnet. An ihre Stelle sollte eine nach Löscheinheiten gegliederte Hilfspolizeitruppe treten, deren Organisation der Reichsminister des Inneren bestimmte. Im Jahresbericht der Scheinfelder Feuerwehr für das Jahr 1938 ist von einer gut durchgeschulten, disziplinierten Polizeitruppe die Rede, die stets zum Wohle der Stadt und ihrer Bewohner auf Wache steht. Das augenfälligsten Beispiele für die Inanspruchnahme der Ideale der Feuerwehr für die nationalsozialistische Herrschaft finden sich in den Berichten zum Mittelfränkischen Feuerwehrappell 1938 in Scheinfeld.

Aus dem 2. Weltkrieg haben sich nur sehr spärliche Nachrichten über die Scheinfelder Feuerwehr erhalten. Im November 1940 wurden alle Wehrführer auf Adolf Hitler vereidigt, um so die Feuerwehren noch enger an die Befehle des Führers zu binden. im Jahre 1941 bestand die aktive Wehr nur noch aus 12 Mann. Die Mitgliederzahl im Oktober 1943 wird mit 18 Aktiven angegeben. Nach dem Reichserlass vom 9. November 1943 zur Erhaltung der Schlagkraft der Feuerwehren wurden in Scheinfeld auch Kranke und Leichtverletzte zum Feuerwehrdienst herangezogen. Gleichzeitig stellte die Stadt einen Antrag auf Zulassung einer freiwilligen Frauenfeuerwehr, die wie Bilder im Protokollbuch zeigen, auch eingeführt wurde. Mit dem Versuch, die letzten Reserven für den Feuerwehrdienst heranzuziehen, enden die Aufzeichnungen über die FF Scheinfeld im Kriege.


Am Ende des Krieges, kurz nachdem der Raum um Scheinfeld von den Amerikanern besetzt worden war, fragte der Bürgermeister von Scheinfeld bei der alliierten Militärkommission an, ob die Feuerwehr auch in der Zeit der nächtlichen Ausgangssperre im Notfall ausrücken dürfe. Eine Antwort ist nicht überliefert. Im September 1945 wurden alle Mitglieder der Feuerwehren auf ihre politische Gesinnung überprüft. Im Rahmen der Aktion wurden viele Feuerwehrführer und -männer verhaftet. In Scheinfeld z. B. der Bezirksbrandinspektor Karl Lax und der während des Krieges als Wehrführer in Scheinfeld tätige Herr Kuch.

Nach der Auflösung der alten Feuerwehrorganisation musste ein völliger Neuanfang gemacht werden. Am 22. November 1947 fand im Saale des Gasthauses "Weißes Roß) in Scheinfeld, eine Wiedergründungs- und Generalversammlung statt, die der nunmehrige Kommandant Fritz Mergenthaler leitete. 49 ehemalige Mitglieder der Feuerwehr hatten einen neuen Kommandanten und eine neue Vorstandschaft zu wählen. Kommandant und gleichzeitig 1. Vorstand wurde Fritz Mergenthaler, sein Stellvertreter wurde Max Werner. In den folgenden Jahren musste die Scheinfelder Feuerwehr neu organisiert und ausgestattet werden. Bereits bei der Generalversammlung im November 1950 waren erste Erfolge zu verzeichnen. Im Frühjahr 1950 konnte ein Löschfahrzeug (LF 15) auf einem 1,5 Tonnen Opel-Blitz-Fahrgestell beschafft werden, zu dem der Landkreis und der Freistaat Bayern Zuschüsse gewährten. Außerdem wurden durch die Stadt 470 Meter B-Schlauch, 120 Meter C-Schlauch sowie 50 Schutzanzüge und ein Schaumgerät der Feuerwehr zur Verfügung gestellt. die technische Ausrüstung war in Ordnung. Was Anlass zur Sorge gab, war der Umstand, dass nur 26 von 123 Mitgliedern zur Generalversammlung erschienen waren. Dies bewog den Bürgermeister und auch den Kreisbrandinspektor zu heftigen Klagen über mangelnden Idealismus. Dieser bedauerliche Zustand blieb in den frühen 50er Jahren akut.

Vorwiegend waren es Scheunenbrände, die alljährlich mehrmals den Einsatz der Scheinfelder Feuerwehr erforderlich machten. Meist wurden die Gebäude zusammen mit den in ihnen gelagerten Erntevorräten und den untergestellten Maschinen ein Raub der Flammen. In den meisten Fällen konnte das Wohnhaus gerettet werden. Als Stützpunktfeuerwehr wurden die Scheinfelder zu allen größeren Bränden im Landreis gerufen. Aus dem Rahmen fiel jedoch der Großbrand im Kloster Schwarzenberg am 23. Juni 1960, dem der gesamte Klostertrakt und die Klosterkirche zum Opfer fielen. Dank des beherzten Einsatzes der Feuerwehrleute konnte die Maria-Hilf-Kapelle gerettet werden. Außer der Ortswehr kamen auch Feuerwehren aus weiter entfernten Ortschaften wie z. B. die aus Neustadt a. d. Aisch, Iphofen und Kitzingen zum Einsatz. Dichter Qualm machte den Einsatz bei einem Brand in einem Scheinfelder Bekleidungshaus im März 1961 besonders schwierig, da die Freiwillige Feuerwehr Scheinfeld zu diesem Zeitpunkt noch nicht über schweres Atemschutzgerät verfügte. Durch die Entschlossenheit und große Tatkraft der Wehrmänner konnte der Einsatz jedoch gut bewältigt werden. Vier Wohnhäuser und sechs Scheunen wurden bei einem Großfeuer am 31. August 1961 in dem kleinen Dorf Frankenfeld vernichtet. Feuerwehren aus den Landkreisen Neustadt/Aisch, Scheinfeld, Uffenheim, Fürth (Bayern), Kitzingen und Ansbach wurden zur Brandbekämpfung alarmiert. Ein schadhaftes Abzugsrohr am Dachboden des damaligen Scheinfelder Kindergartens sorgte für erhebliche Aufregung. Der entstandene Schwelbrand konnte jedoch schnell gelöscht werden.

Einen notwendigen organisatorischen Neuanfang strebte die Scheinfelder Feuerwehr mit der Wahl Heinrich Kämmerers zum neuen Kommandanten am 24. Mai 1963 an. Einen bezeichnenden Stimmungsbericht gibt ein Zeitungsartikel über die Hauptversammlung: Die Feuerwehr der Kreisstadt gab schon zu mancher Diskussion Anlass und nicht immer wurde ihr dabei ein gutes Zeugnis ausgestellt. Schuld daran dürfte vermutlich sein, dass nicht die erforderliche Zahl der Löschgruppen vorhanden ist. Dabei wird aber ganz übersehen, dass fast bei allen Brandfällen im Landkreis - und das waren im letzten Jahr nicht wenige - immer die Scheinfelder Wehr mit ihrem Löschfahrzeug alarmiert wurde und zu den Brandherden eilte. Es ist also nicht ganz richtig, wenn so oft davon gesprochen wurde, dass die Kreisstadt keine Feuerwehr hat. Richtig dürfte sein, dass es bisher fast immer die gleichen Männer waren, die bei den Einsätzen mitfuhren.


Als ersten Erfolg beim Neuaufbau konnte die Wehr die erfolgreiche Abnahme der Leistungsprüfung der ersten Löschgruppe am 27. Oktober 1963 verzeichnen. Weitere Gruppen folgten im Laufe der folgenden Jahre. Am Jahresende betrug der Mannschaftsstand 60 Aktive. Der Jahresbericht von 1963 schloss mit der Hoffnung auf einen weiteren Aufwärtstrend ab. Überraschenderweise trat Kommandant Kämmerer bereits im Herbst 1964 zurück. Somit konnte er die Verwirklichung des seit 1960 verfolgten Zieles, ein Tanklöschfahrzeug für Scheinfeld anzuschaffen, nicht mehr in seiner Amtszeit erleben. Am 1. Februar 1965 holten dann der neue Kommandant Hans Haas mit weitern Feuerwehrleuten das neue Tanklöschfahrzeug (TLF 16) in Ulm ab. Ausgestattet war das neue Fahrzeug mit einem 150 PS Motor, einem Löschwassertankinhalt von 2.400 Litern und einer Pumpe mit einer Leistung von 1.600 l/min. Da damals kein eigenes Gerätehaus vorhanden war, wurde das Tanklöschfahrzeug in der Feuerwehrgarage untergebracht, das alte LF 8 kam in die Halle des Postautos. Seine Feuertaufe erlebte das neue Fahrzeug am 27. Februar 1965 bei einem Brand zweier Scheunen in Birklingen. Mit dem neuen Fahrzeug wurde die Schlagkraft der FF Scheinfeld entscheidend verbessert. Weitere dringende Neuanschaffungen blieben aber unumgänglich. Am dringendsten war ein neues Feuerwehrgerätehaus und ein Schlauchtrockenturm, da der alte unbenutzbar und seit einem Jahr (1964) außer Betrieb war. Weiterhin benötigte die Feuerwehr dringend Atemschutzgeräte. Drei erhielt die Wehr dann im Februar 1966. Zusätzlich beschaffte der Landkreis Scheinfeld einen Ölschadenanhänger und bestellte einen Schlauchreservewagen, der in Scheinfeld stationiert werden sollte. Damit wurde das Problem des fehlenden Gerätehauses akut, denn die drei Feuerwehrfahrzeuge mussten an drei verschiedenen Orten abgestellt werden. Dies war ein unhaltbarer Zustand. Im August 1966 beschloss der Stadtrat dann endlich, neben der ehemaligen Bullenhaltung eine alte Scheune abzureißen und dort ein Feuerwehrgerätehaus zu erbauen. Die Kosten waren mit rund 77.000,- DM veranschlagt, wobei mit erheblichen Eigenleistungen der Feuerwehrleute gerechnet wurde. Bereits im Dezember 1966 war der Rohbau fertig, aber erst Ende 1967 konnte das Gerätehaus als provisorisch bezugsfertig gelten. Am 15. September 1968 wurde das Gebäude dann offiziell der Feuerwehr übergeben. Bereits bei der Einweihung wurde jedoch die Frage laut, ob das Gerätehaus für eine Stützpunktfeuerwehr nicht zu klein ausgefallen sei. Zunächst konnten aber alle Fahrzeuge einschließlich des Schlauchreservewagens (SW 1000) in einem Gebäude untergebracht werden.

Zum 1. Februar 1967 legte Hans Haas sein Amt als Kommandant nieder. In einer der betrüblichsten Generalversammlungen am 4. März 1967 wurde Hans Haas trotz seiner öffentlich vorgetragenen Rücktrittsabsichten wiedergewählt, nachdem sich die Feuerwehr bereiterklärt hatte, ihm ein monatliches Fixum für seine Verdienstausfälle zu bezahlen, da die Stadt eine Übernahme dieses Betrages verweigert hatte. Zunächst nahm Haas die Neuwahl an, trat aber am anderen Tag endgültig zurück. Eine Zahlung der Entschädigung aus der Feuerwehrkasse war für ihn nicht zu ertragen. Gleichzeitig trat er ganz aus der Feuerwehr aus und stellte seinen Posten als Kreisbrandmeister zur Verfügung. In der am 22. April 1967 durchgeführten Versammlung wurde der bisherige zweite Kommandant Robert Hügelschäfer nahezu einstimmig zum neuen ersten Kommandanten gewählt. Neben gelegentlichen Alarmierungen an die Autobahn A 3 (20 km entfernt!), stellten Scheunen- und Stallbrände weiterhin den größten Anteil bei den Einsätzen. Im August 1965 brannten wegen eines defekten Häckslers zwei Scheunen und Stallungen in Lerchenhöchstadt nieder. Bei der Brandbekämpfung bewährte sich das neue Tanklöschfahrzeug erneut, das zusammen mit dem Fahrzeug aus Neustadt/Aisch im Pendelverkehr Löschwasser herbeischaffte. Feuerwehren aus dreizehn Gemeinden wurden am 16. Juni 1966 nach Burghaslach gerufen, wo ein Blitzschlag eine Scheune in Brand setzte. Sie konnten zwar das Übergreifen des Feuers auf ein Wohnhaus verhindern, aber zwei Scheunen, Ställe und Schweineställe in dem dichtbebauten Ortskern brannten völlig nieder. Eine größere Katastrophe verhinderte die Feuerwehr bei einem Großbrand in Markt Bibart, als mitten im Ort ein Feuer ausgebrochen war. Zahlreiche Scheunen, Stallungen und sonstige Nebengebäude wurden vernichtet. Bei einem Großbrand in Neustadt/Aisch im Juni 1969 wurden drei Scheunen völlig zerstört und zwei Wohnhäuser stark beschädigt. Dank der vorbildlichen Zusammenarbeit der Feuerwehren aus Neustadt/Aisch, Scheinfeld, Emskirchen und Wilhermsdorf konnte ein weiteres Übergreifen des Feuers auf Nachbargebäude verhindert werden.


Kommandant Hügelschäfer setzte sich in den folgenden Jahren sehr für die Ausbildung und Schulung der Scheinfelder Feuerwehrmänner ein. Neben den regelmäßigen Leistungsprüfungen besuchten eine Reihe von Feuerwehrleuten die Feuerwehrschule Würzburg, um z. B. zu Maschinisten oder für Führungspositionen ausgebildet zu werden. Großübungen im Rahmen der alljährlichen Brandschutzwoche sollten die Zusammenarbeit mit Nachbarwehren stärken. Häufig lag aber die Kameradschaft im inneren der Feuerwehr im Argen. Der Übungsbesuch ließ zu wünschen übrig. Trotz zahlreicher Appelle und Zwangsausschlüssen, die die Zahlung der Feuerschutzabgabe zur Folge hatten, blieb dieses Problem, das in jeder Feuerwehr mehr oder weniger anzutreffen war, unlösbar.

Nach 96 Jahren revidierte man die Feuerwehrsatzung von 1873 und beschloss am 27. Januar 1969 eine neue Satzung, die sich an der Mustersatzung für die bayerischen Feuerwehren orientierte. Am 3. März 1970 fasste der Stadtrat den Beschluss, ein neues Löschfahrzeug zu beschaffen. Im Mai 1972 konnten Feuerwehrmitglieder das neue Löschgruppenfahrzeug (LF 8/II) in Ulm abholen. Im Januar 1972 beschaffte der Landkreis Scheinfeld für die Feuerwehren Scheinfeld, Iphofen und Burghaslach Funkgeräte. Im November 1973 beschloss der Landkreis die Kosten für eine Funkalarmierung im darauffolgenden Jahr zu übernehmen. Mit Inkrafttreten der Gebietsreform zum 1. Juli 1972 wurde Kommandant Hügelschäfer von der Regierung von Mittelfranken zum Kreisbrandinspektor ernannt. Sein Aufgabenbereich war neben der Tätigkeit als Kommandant umfasste nun die Betreuung der Feuerwehren des restlichen früheren Landkreises Scheinfeld. Robert Hügelschäfer war Nachfolger des aus beruflichen Gründen zurückgetretenen KBI Winkler aus Niederndorf. Im Mai 1974 begann eine Diskussion um die Notwendigkeit der Beschaffung einer Drehleiter, da die zunehmende Zahl höherer Gebäude in der Stadt diese notwenig erschienen ließ. Gefordert wurde dieses Rettungsgerät vom Landratsamt für Brand- und Katastrophenschutz beim Neubau des Altenheimes in Scheinfeld, wobei das Landratsamt als Mindestanforderung eine dreiteilige Schiebeleiter (nur auf einem Löschfahrzeug LF 16 unterzubringen) oder eine Anhängeleiter (AL 18) zur Auflage machte. Zu einer raschen Beschaffung konnte sich die Stadt nicht durchringen. erst 10 Jahre später konnte die Feuerwehr eine mechanische AL 18 übernehmen.

Mitte der 70er Jahre war das Verhältnis zwischen Feuerwehr und Stadt gespannt. Mehrere Dinge führten zu der Verhärtung. Zum einen fühlte sich die Feuerwehr aufgrund der sinkenden Mitgliederzahlen (im Juli 1974: 64 aktive und 42 passive Mitglieder) von der Stadt zu wenig bei der Werbung um neue Feuerwehrleute unterstützt; es war damals auch kein städtischer Bediensteter aktiv bei der Feuerwehr. Zum anderen beklagte die Feuerwehrführung bei den Stadträten die Kürzung des Etats für die Feuerwehr und das Hinausschieben von wichtigen Beschaffungen (das LF 8/II war bei der Beschaffung nicht mit den erforderlichen Preßluftatmern ausgestattet worden). In diesem Punkt erhielt die Scheinfelder Feuerwehr vom Kreisbrandrat Schützenhilfe. Der Stadtrat reagierte auf die Herbe Kritik mit Empörung und hielt sie für übertrieben und ungerechtfertigt. Zu einem weiteren Konflikt kam es im April 1977 mit der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzenberg-Klosterdorf. Zehn Jahre vorher hatten sich beide Feuerwehren auf einen Zusammenschluss geeinigt. Dabei blieb der Verein "Freiwillige Feuerwehr Schwarzenberg-Klosterdorf" selbständig. Im technischen Bereich sollten beide Wehren eine Einheit bilden. Nachdem Kommandant Hügelschäfer rechtliche Bedenken gegen diese "Konstruktion" vorgebracht hatte, entstand 1977 ein Streit, der sich in der Jahreshauptversammlung entlud. Dort verteidigten die Klosterdörfer ihre Eigenständigkeit, so daß den Scheinfeldern nichts anderes übrig blieb, als einen eigenen Vorsitzenden zu wählen. Dies wurde Peter Korn. Ende 1977 wurde dem Kommandanten und Kreisbrandinspektor Hügelschäfer für seine Verdienste im Feuerlöschwesen und der technischen Hilfeleistung das Steckkreuz des Feuerwehrehrenzeichens von Innenminister Dr. Alfred Seidl verliehen.

Ende der 70er Jahre setzte die Diskussion um ein neues, größeres Feuerwehrgerätehaus ein. Mit der Aufstockung des Fahrzeugparks und der Zunahme von technischem Gerät wurde das 1968 eingeweihte Gerätehaus rasch zu klein. Fehlende Sanitär- und Schulungsräume, keine ordentlich ausgerüstete Werkstatt für die zahlreichen Reparaturen, die auch für die Ortsteilfeuerwehren ausgeführt werden mussten, kein eigener Atemschutzraum - dies alles machte einen großzügigeren Neubau unumgänglich.


Große Mühe hatten die Feuerwehren aus Scheinfeld und Umgebung Ende Juni 1978 bei einem Scheunenbrand im eng bebauten Bereich der Kirchstraße/Lange Gasse in Scheinfeld. Das Feuer konnte aber auf seinen Herd begrenzt und größerer Schaden vermieden werden. Bei mehreren Verkehrsunfällen machte sich das fehlen von Ausrüstung für technische Hilfeleistung (hydraulischer Spreizer und Schere) negativ bemerkbar. Die FF Scheinfeld konnte bei Unfällen lediglich den Brandschutz sicherstellen, für die eigentlichen Rettungsarbeit war der Einsatz der Stützpunktfeuerwehr Neustadt/Aisch notwendig. Ende März 1979 war es dann soweit: Die FF Scheinfeld erhielt die Ausrüstung für technische Hilfeleistung.

Nach 12 jähriger Tätigkeit als Kommandant legte Robert Hügelschäfer ebenfalls im März 1979 bei einer Jahreshauptversammlung sein Amt nieder. Nachfolger wurde Heinrich Simon, der bei der Stadt Scheinfeld beschäftigt war. Erstmals seit längerer Zeit konnte die FF Scheinfeld jugendlichen Nachwuchs in ihre Reihen aufnehmen und ausbilden. Die jugendlichen Leute stellten sich ausnahmslos der Jugendleistungsprüfung. Den ersten Einsatz mit technischer Hilfeleistung hatte die FF Scheinfeld am 29. Februar 1980 in Herpersdorf, wo ein PKW am Ortseingang ins Schleudern gekommen und mit der Breitseite auf einen steinernen Gartenpfosten geprallt war, der durch die Frontscheibe ins Wageninnere ragte. Die Fahrerin war im Fahrzeug eingeklemmt. Nach Lösen des PKW vom Gartenpfosten konnte die Fahrerin aus ihrer misslichen Lage befreit und dem Rettungsdienst übergeben werden. In der Folgezeit häuften sich die Einsätze mit technischer Hilfeleistung. In vielen Fällen konnte die FF Scheinfeld den eingeklemmten Personen rasche Hilfe leisten. Aber es gab auch Tote zu beklagen.

Von einer ursprünglich geplanten Erweiterung des Feuerwehrgerätehauses sah man 1981 bei der Stadt ab. Man plante einen völligen Neubau auf einem ab 1983 verfügbaren Gelände an der alten Bamberger Straße, aber bereits bei der Jahreshauptversammlung im März 1982 stand fest, dass frühestens 1984 ein Neubau errichtet werden kann. Ende 1982 brannte in Scheinfeld das Kino bis auf die Grundmauern nieder. Die FF Scheinfeld konnte ein übergreifen auf Nachbargebäude verhindern. Seit dieser Zeit existiert in Scheinfeld kein Kino mehr. Bei Schauvorführungen, z. B. dem Tag der offenen Tür, wurde immer wieder um Nachwuchs für die Feuerwehr geworben. 1982 wurde die Jugendfeuerwehr Scheinfeld gegründet. Erst am 29. April 1985 genehmigte der Stadtrat den Plan für einen Neubau eines Feuerwehrgerätehauses an der Karl-Lax-Straße. Mit ihm wurde die Stadt den Bedürfnissen einer Stützpunktfeuerwehr weitgehend gerecht. Der Neubau umfasste eine Wohnung für den Hausmeister, einen Unterrichtsraum, einer Einsatzzentrale, einer Fahrzeughalle mit 6 Ausfahrten, eine Waschhalle, eine Schlauchwaschanlage mit Trockenturm, eine Werkstatt und separatem Atemschutzraum. Im Spätherbst 1986 konnte das neue Gebäude von der Feuerwehr bezogen werden. Damit hat die FF Scheinfeld nach langen Jahren mit provisorischen und sehr mangelhaften Unterkünften endlich ein ihr angemessenes Haus erhalten.

Als erste Feuerwehr im Landkreis Neustadt/Aisch - Bad Windsheim führte die FF Scheinfeld die Ausbildung nach der neuen bundesweiten Feuerwehrdienstvorschrift 2 im Jahre 1985 ein. Diese Ausbildung nahm in den folgenden Jahren einen immer größeren Raum ein. Löschmeister Franz Hufnagel, der selbst an der Feuerwehrschule Würzburg die Qualifikation bei einem Lehrgang erworden hatte, konnte die Feuerwehrleute ausbilden. Einen Wechsel gab es nun an der Spitze der Feuerwehr Scheinfeld: Zum neuen Kommandanten wählte die Mannschaft den bisherigen Stellvertreter Gerhard Knöchlein. Auch ein Wechsel an der Vereinsspitze war zu verzeichnen. Aus beruflichen Gründen trat Peter Korn zurück. Neuer Vorstand wurde Heinrich Teufel. Ende 1986 plante man auf Vorgabe des Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutzes die Beschaffung eines Rüstwagen (RW 2) für die Stützpunktwehr Scheinfeld. Er konnte aber aus finanziellen Gründen erst im Jahr 1989 beschafft werden. Ende 1987 musste Kommandant und Kreisbrandmeister Gerhard Knöchlein aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen. Neu gewählt wurden der bereits als Kreisbrandmeister fungierende Franz Hufnagel und als Stellvertreter Peter Heim. Anfang 1988 konnte als Pilotprojekt eine neu installierte EDV-Anlage in Betrieb genommen werden. Maßgeblich beteiligt und tätig dafür war der frühere Vorsitzende Peter Korn.


Den wohl größten Einsatz in ihrer Geschichte hatte die FF Scheinfeld am 25. März 1988 zu verzeichnen. In einem Chemiebetrieb der u. a. auch Kaltreiniger aus Kfz-Werkstätten durch Destillation regenerierte, brach um ca. 10.23 Uhr durch einen Defekt in der Destillationsanlage mit nachfolgendem Auslaufen von Thermoöl ein Brand aus, der sehr rasch um sich griff und einen großen Teil des Betriebes erfasste. Trotz Vornahme eines Schaum- und eines B-Rohres war die Ausbreitung des Feuers nicht aufzuhalten. Es erfasste auch einen Stapel von 200 l Fässern. Als nachteilig machte sich vor allem der Löschwassermangel bemerkbar. Der Tank des TLF 16 war binnen kürzester Zeit leer und vom nächstgelegenen Unterflurhydranten (Strichleitung!) konnten nur 500 l/min entnommen werden. Dies reichte nicht aus, um die eingesetzten Rohre laufend zu versorgen. In den darauffolgenden Jahren konnte von der Stadt die Ringleitung geschlossen und dadurch die Wasserversorgung deutlich verbessert werden. Nach eintreffen des Löschfahrzeuges und des Schlauchwagens an der Brandstelle, wurden von dem ca. 500 m entfernten Bach Scheine nacheinander zwei B-Förderleitungen verlegt werden, wobei die FF Markt Bibart an der Saugstelle zum Einsatz kam. Die dritte Förderleitung verlegte der mit dem Löschzug der FF Neustadt/Aisch eingetroffene Schlauchwagen zusammen mit der FF Sugenheim. Nach und nach konnten weitere B- und C-Rohre eingesetzt werden. Dies war auch nötig, da der 200 l Fass-Stapel gekühlt werden musste, weil immer wieder Fässer durch Explosion emporgerissen wurden und eine nicht unerhebliche Gefahr für die eingesetzten Feuerwehrleute bestand. Über der Brandstelle stand ein riesiger Rauchpilz, der zuerst in nördliche Richtung später in nordwestliche Richtung zog. Aus Sicherheitsgründen mussten die Grund- und Hauptschule, das Gymnasium, sowie ein größeres Gebäude vorsorglich evakuiert werden. Nachdem der Brand mit Wasser allein nicht zu löschen war, ließ Kreisbrandrat Schneller die Feuerwehren aus Bad Windsheim und Uffenheim mit Schaum-Wasser-Werfern nachalarmieren. Gleichzeitig wurde alles verfügbare Schaummittel aus Bad Windsheim, Neustadt/Aisch und Scheinfeld nachgefordert. Durch den Einsatz der beiden Schaum-Wasser-Werfer konnte gezielt von zwei Seiten Schaum auf den brennenden Fassstapel (überwiegend Benzin und Petroleum) aufgebracht werden und eine deutliche Löschwirkung erzielt werden. Gegen 13.15 konnte "Feuer in Gewalt" gemeldet werden. Insgesamt wurden ca. 1.000 l Schaummittel verbraucht. Nach dem "Therma-Brand" wurde von der FF Scheinfeld ein Schaum-Wasser-Werfer beschafft, um ein ähnlichen Bränden größere Mengen Wasser oder Schaum mit entsprechender Wurfweite einsetzen zu können. Wie sich bei späteren Untersuchungen herausstellte, waren im Brandrauch nur geringe Mengen an Schadstoffen enthalten. Die zeigten auch Bodenproben. Das Löschwasser staute die FF Scheinfeld auf dem Betriebsgelände auf. Nach dem Einsatz mehrer Tragkraftspritzen mit Entnahme aus den Kanalschächten wurde es im "Kreislaufverfahren" wiederverwendet. Nachdem der Verdacht bestand, dass es chemisch belastet sein könnte, wurde es in den Tagen danach mit Tankfahrzeugen nach Markt Bibart gebracht und in Kesselwagen der Bundesbahn zwischengelagert. Bei Untersuchungen stellte sich heraus, dass das Löschwasser keine schädlichen Substanzen enthielt. Es konnte über die örtliche Kläranlage entsorgt werden. Die Feuerwehr konnte bei dem Einsatz verhindern, dass mehrere Salzsäuretanks im Eingangsbereich des Betriebes in Mitleidenschaft gezogen wurden. Von den ca. 1.000 gelagerten Fässern sind nur etwa 450 verbrannt. Ein derartiger Einsatz stellte die eingesetzten Feuerwehren bei ungünstigen Witterungsverhältnissen (während des Einsatzes regnete es zeitweise sehr heftig) vor eine Vielzahl von gleichzeitig notwenigen Aufgaben, da neben der Brandbekämpfung noch Ölsperren aufgebaut werden mussten. Der Brand beschäftigte noch Wochen danach Stadt, Landratsamt und weitere Behörden. Fast täglich konnte man der Presse Berichte, Leserbriefe und Kommentare entnehmen. Was in einer gemeinsamen Übung der FF Scheinfeld und von Ortsteilwehren im September 1989 noch geprobt wurde, ereignete sich einen Monat später als Ernstfall: Ein amerikanischer Kampfhubschrauber berührte bei Langenfeld eine Starkstromleitung und stürzte ab. Die beiden Besatzungsmitglieder waren beim Eintreffen der Freiwilligen Feuerwehren aus Scheinfeld, Langenfeld, und Neustadt/Aisch bereits tot. Mit dem Schaum-Wasser-Werfer wurde der brennende Hubschrauber abgelöscht. Eine Reihe von Einsätzen in und um Scheinfeld erforderte der Anfang Februar wütende Sturm "Wibke". Eine Reihe von Einsätzen verzeichnete das Jahr 1990 weiterhin bei Wohnhaus und Scheunenbränden, Mähdrescher- und Feldbränden sowie Verkehrsunfällen, die immer häufiger den Einsatz von technischer Hilfeleistung verlangten. Ende 1990 konnte das alte Löschfahrzeug (Opel-Blitz Baujahr 1949) restauriert werden. Es strahlt seitdem in neuem Glanz.


Die Ausbildung Truppmann/Truppführer für Feuerwehren aus Scheinfeld und Umgebung nahm in der Folgezeit einen immer größer werdenden Stellenwert ein. Sie ist auch als Voraussetzung für den Gruppenführer- und weitere Lehrgänge notwendig. Auf Landkreisebene werden in Scheinfeld seit einigen Jahren die Maschinisten zentral ausgebildet. Ende 1992 konnte die FF Scheinfeld von der Feuerwehrschule Würzburg eine 10 Jahre alte gebrauchte Drehleiter (DLK 23-12) erwerben. Sie wurde im Beisein des Bayerischen Innenministers Günter Beckstein übergeben und zusammen mit dem vom Landkreis Neustadt/Aisch - Bad Windsheim beschafften Schlauchwagen (SW 2000) im Mai 1993 eingeweiht. Das Jahr 1994 geht in die Geschichte der FF Scheinfeld als Jahr der Toten ein. Bei mehreren Verkehrsunfällen binnen weniger Wochen gegen Ende des Jahres, gab es keine Rettung mehr für die Insassen der jeweiligen Fahrzeuge. Sie konnten nur noch tot geborgen werden, was eine erhebliche psychische Belastung für die eingesetzten Feuerwehrleute darstellte. Im Januar 1995 hatten die Feuerwehren in und um Scheinfeld mit einem großen Hochwasser zu kämpfen. Auf der Jahreshauptversammlung im März 1995 stellte der bisherige Kommandant und Kreisbrandinspektor Franz Hufnagel sein Amt zur Verfügung. Zum neuen Kommandanten wählten die Aktiven der FF Scheinfeld Andreas Schick, zum Stellvertreter Reinhold Kunesch. Nachdem das bisherige Tanklöschfahrzeug das stattliche Alter von 30 Jahren erreichte, und die Ersatzteilbeschaffung für die Pumpe zunehmen Schwierigkeiten bereitete, die Stadt aber finanziell nicht in der Lage war eine Neuanschaffung zu tätigen, beschaffte man ein 19 Jahre altes Tanklöschfahrzeug als Ersatz. Dieses wurde in wochenlanger Arbeit von den Gerätewarten auf Hochglanz gebracht und Anfang Oktober 1995 offiziell übergeben. Damit konnte eine Ersatzbeschaffung sieben bis zehn Jahre hinausgeschoben werden.

Eine Scheune und mehrere Landwirtschaftliche Nebengebäude wurden im August 1996 mitten im Ortskern von Scheinfeld ein Raub der Flammen. Die Feuerwehren konnten jedoch ein Übergreifen auf Nachbargebäude bei diesem Großeinsatz verhindern. Drei Tote forderte ein Tiefbauunfall im August 1998 in der Nähe von Stierhöfstetten. Die Arbeiter, die an einer Kanalbaustelle beschäftigt waren, wurden durch nachrutschendes, schweres, lehmiges Erdreich verschüttet. Sie konnten von der Feuerwehr Scheinfeld nur noch tot geborgen werden.

Erstmals im Landkreis wurde bei der Jahreshauptversammlung im März 1999 eine Frau als Vereinsvorsitzende gewählt - Monika Schalk übernahm dieses Amt von Herbert Herbstsommer. Insgesamt stieg die Zahl der aktiven Mitglieder auf 82, davon mehrere Frauen und eine Reihe von Jugendlichen. Personell ist die FF Scheinfeld gut gerüstet. Auch fahrzeugmäßig steht sie gut da. Man verfügt derzeit über einen Einsatzleitwagen (VW-Bus), ein Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25), ein Löschfahrzeug (LF 8/II), einen Rüstwagen (RW 2), eine Drehleiter (DLK 23-12), einen Schlauchwagen (SW 2000) und einen Mehrzweckanhänger. Vom aufgelösten Katastrophenschutz konnte die FF Scheinfeld einen VW-Bus sowie einen Anhänger übernehmen.

Im Bereich des Vereinswesens wurde an einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 27. August 2010 eine neue Satzung verabschiedet. Diese ebnete den Weg, den Feuerwehrverein am 2. November 2010 im Vereinsregister beim Amtsgericht Fürth unter der Nr. VR 200521 als "Freiwillige Feuerwehr Stadt Scheinfeld e. V." eintragen zu lassen.

Wir danken dem ehemaligen Kreisbrandrat und Mitglied der Feuerwehr Scheinfeld Herrn Robert Hügelschäfer für die Ausarbeitung eines Teils dieser Chronik.

 

 

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