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Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 änderten sich auch die organisatorischen Strukturen innerhalb der Feuerwehren, sowie ihr Aufgabenbereich. Die Feuerwehren wurden nun von einem Landesbranddirektor zentralistisch geleitet, der alle Inhaber von mit Befehlsgewalt und Inspektionsbefugnis ausgestatteten Fuhrerstellen innerhalb der Freiwilligen Feuerwehren selbst ernannte. Ihm zur Seite standen in den jeweiligen Bezirken die Bezirksbrandinspektoren. Damit war den Feuerwehren ein entscheidendes Grundrecht, sich ihren Kommandanten sowie ihre Truppführer selbst bestimmen zu dürfen, genommen worden. In Scheinfeld wurde für den langjährigen Kommandanten Karl Lax, der seit 1925 auch Bezirksfeuerwehrvertreter und seit 1933 Bürgermeister in Scheinfeld war, Leonhard Geisslinger vom Landesbranddirektor am 13. März 1934 zum neuen Kommandanten bestimmt. Als dieser sein Amt zur Verfügung stellte, ernannte der Landesbranddirektor am 12. Juni 1936 Peter Mader zum neuen Kommandanten. Die Feuerwehrkarriere von Karl Lax war mit der Ablösung vom Posten des Kommandanten nicht beendet.

Er, der das goldene Parteiabzeichen der NSDAP erworben hatte, hatte neben seinem Bürgermeisteramt auch das des Ortsgruppenleiters der NSDAP innehatte, wurde Bezirksbrandinspektor und Kreisbrandmeister. Von seinem Engagement für die Feuerwehr profitierte natürlich die eigene Wehr erheblich. Dafür wurde ihm auch von Seiten der Scheinfelder Feuerwehr vielfältiges Lob zuteil. In einem Reichserlass vom 12. Dezember 1935 wurden den Freiwilligen Feuerwehren ein detaillierter Plan zur Ausbildung der Feuerwehrmänner vorgelegt. Er ging an alle Polizeibehörden, die seine Ausführung zu überwachen hatten. Die Ausbildung nach einem Jahresplan für die Freiwilligen Feuerwehren einer mittleren Stadt mit industriellem Einschlag legte z. B. großen Wert auf das Exerzieren und neben den üblichen Feuerwehraufgaben auch auf die Punkte behördlicher Luftschutz, Bekämpfung von Brandbomben auf dem Exerzierplatz, Spreng-, Brand- und Gasbomben: ihr Wirkung, Schutzmaßnahmen. Dies zeigte doch, dass die Feuerwehren zielbewusst zu einer Hilfstruppe der Reichswehr für Kriegszeiten aufgebaut werden sollte.

Der vereinheitlichte Übungsplan der Freiwilligen Feuerwehren im Bezirk Scheinfeld sah am 6. Juni 1935 einen Unterricht über Fliegerbombenangriffe, am 27. Juni Einsatzübungen Dachstuhlbränden, entstanden durch Fliegerbomben und am 26. September gleichen Jahres das Verhalten bei Luftangriffen vor. Exerzieren war bei jeder Übung fast obligatorisch. Im Jahr 1938 musste auf Weisung des Reichsinnenministeriums der Deutsche Feuerwehrverband seine Tätigkeit einstellen. Durch das Reichsfeuerlöschgesetz vom 23. November 1938 wurden alle Freiwilligen Feuerwehren zu Hilfspolizeitruppen umfunktioniert. In § 6 des Gesetzes wurde die Aufhebung aller von den Freiwilligen Feuerwehren gebildeten Vereine und Verbände angeordnet. An ihre Stelle sollte eine nach Löscheinheiten gegliederte Hilfspolizeitruppe treten, deren Organisation der Reichsminister des Inneren bestimmte. Im Jahresbericht der Scheinfelder Feuerwehr für das Jahr 1938 ist von einer gut durchgeschulten, disziplinierten Polizeitruppe die Rede, die stets zum Wohle der Stadt und ihrer Bewohner auf Wache steht. Das augenfälligsten Beispiele für die Inanspruchnahme der Ideale der Feuerwehr für die nationalsozialistische Herrschaft finden sich in den Berichten zum Mittelfränkischen Feuerwehrappell 1938 in Scheinfeld.

Aus dem 2. Weltkrieg haben sich nur sehr spärliche Nachrichten über die Scheinfelder Feuerwehr erhalten. Im November 1940 wurden alle Wehrführer auf Adolf Hitler vereidigt, um so die Feuerwehren noch enger an die Befehle des Führers zu binden. im Jahre 1941 bestand die aktive Wehr nur noch aus 12 Mann. Die Mitgliederzahl im Oktober 1943 wird mit 18 Aktiven angegeben. Nach dem Reichserlass vom 9. November 1943 zur Erhaltung der Schlagkraft der Feuerwehren wurden in Scheinfeld auch Kranke und Leichtverletzte zum Feuerwehrdienst herangezogen. Gleichzeitig stellte die Stadt einen Antrag auf Zulassung einer freiwilligen Frauenfeuerwehr, die wie Bilder im Protokollbuch zeigen, auch eingeführt wurde. Mit dem Versuch, die letzten Reserven für den Feuerwehrdienst heranzuziehen, enden die Aufzeichnungen über die FF Scheinfeld im Kriege.