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Die Alarmierung erfolgte durch die Signalisten mit ihren Signalhörnern. Das militärische Prinzip des Befehls und festen Gehorsams waren damals in der Feuerwehr groß geschrieben. Mit dem Jahr 1873 war die FF Scheinfeld etabliert und konnte nun kontinuierlich ihren Ausbau vorantreiben, sowie die von ihr geforderten Aufgaben erfüllen. Vordringliches Problem blieb die Beschaffung von Gerät - vor allem Schlauchmaterial - sowie die Genehmigung der für den Dienst notwendigen Maßnahmen durch die Stadt Scheinfeld. Die Alarmierung sollte nach Meinung der Feuerwehrführung auch durch Glockenzeichen und nicht nur durch Trompetensignale erfolgen. Die Finanzlage der Stadt blieb prekär. Nach Ablehnung einer Spendenbitte durch die Münchener-Aachener Mobiliarfeuerversicherungs-gesellschaft wandte sich die Stadt sogar an den König von Bayern. Immerhin erhielt sie 1874 vom Königlichen Bezirksamt 20 Gulden, ein Jahr später wieder 15 Gulden und 1875 von der Bayerischen Staatsregierung sogar 100 Gulden zur Tilgung der Ausrüstungsschulden.

Die Feuerwehr spaltete sich in eine Pflicht- und eine Freiwillige Feuerwehr auf. Das nebeneinander der Freiwilligen Feuerwehr und der Pflichtfeuerwehr blieb bis zum Ende des 2. Weltkrieges bestehen. Leider gibt es erst ein Schreiben vom April 1926 Auskunft über die damals aktuellen Kriterien. So hatten 1926 alle männlichen Personen in Scheinfeld vom 18. bis zum 50. Lebensjahr, bei Beamten lediglich vom 18. bis zum 35. Lebensjahr, ihren Dienst in der Pflichtfeuerwehr zu leisten. nach den Mitgliederverzeichnissen aus dem Jahr 1874 gab es eine Spritzenmannschaft und eine Rettungsmannschaft mit jeweils 26 Mitgliedern, wobei man bei der Rettung zwischen Ausräumern (12) und Bewachern (14) unterschied. Außerdem waren zwei Leute für die Wasserleitung und zehn Personen für die Bereitstellung von Fuhrwerken verantwortlich. Zudem gab es noch sechs Feuerläufer. Nach einem Fragebogen von 1887 bestand die Freiwillige Feuerwehr einschließlich Vorstand und Kommandant aus 61 Personen. Die Pflichtfeuerwehr umfasste 111 Mitglieder. Die Uniformierung bestand aus dunkelgrauen Leinen-Dienströcken, Leder- und Messinghelmen (für den Kommandanten und seinen Adjutanten) sowie Dienstmützen. Die Alarmierung erfolgte von den Türmen mittels Trompetensignalen aus. Den Feuerreiterdienst übernahmen drei Mitglieder der Pflichtfeuerwehr. Sie waren notwendig weil Scheinfeld keine Telegraphenstation mit Nachtdienst besaß. Die weiteste Entfernung, die die Feuerwehr auszurücken hatte, betrug zwei Kilometer außerhalb des Gemeindegebietes. An Lösch- und Rettungsgeräten besaß Scheinfeld nun eine 4rädrige Saug- und Druckspritze, je eine 4- und 2rädrige Druckspritze ohne Saugwerk, sowie eine fahrbare Schlauchhaspel und einen Mannschaftstransportwagen. Darüber hinaus gab es je 20 Eimer aus Leder bzw. Hanf, 1 Schlauchbrücke, je 170 Meter gummierte bzw. gewöhnliche Hanfschläuche und sieben Saugschläuche. Neben einer neun Meter hohen Anstellleiter verfügte die Feuerwehr noch über je sechs Haken- bzw. Dachleitern. 1886 wurden 16 Übungen für die Freiwillige Feuerwehr und zehn Übungen für die Pflichtfeuerwehr abgehalten. Als Wasserentnahmestellen standen der Feuerwehr neben der Wasserleitung fünf Brunnen, ein Bach und ein Weiher in unmittelbarer Nähe der Stadt zur Verfügung.

Um 1880 häuften sich Hinweise, dass es um die innere Organisation der Feuerwehr nicht zum Besten stand. So mahnte im Juni und Oktober 1880 das Bezirksamt, dass die Handhabung der distriktspolizeilichen Feuerlöschordnung gewissenhafter beachtet werden müsse und unbefugte vom Brandplatz zu entfernen seien. Darüber hinaus sei die Zahl der anwesenden Pflichtfeuerwehrmänner am Brandplatz viel zu gering, was auf eine bedenkliche Einsatzmoral schließen ließ. Weiterhin klappte die Bereitstellung von Pferden und Fuhrwerken für die Feuerwehr nicht, die im Brandfall benötigt würden. Im Jahr 1889 wurde die Inspektion der Feuerwehr durch einen Bezirksfeuerwehrvertreter angekündigt, von deren Durchführung aber leider nichts bekannt ist. In einem Schreiben vom 17. Juli 1889 an die Stadt Scheinfeld forderte die Feuerwehrführung nicht nur neue Gerätschaften, sondern auch die Anmietung der Pfarrscheune als Löschmaschinenhalle, da der derzeitige Raum im Schulhaus zu klein geworden war. Neben der Lösung des leidigen Problems der Bereitstellung von Pferden, wünschte die Feuerwehr auch die Anlage zusätzlicher Wasserreservoirs im Stadtgebiet. Im folgenden Jahr unterstützte das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten den Antrag auf Anmietung der Pfarrscheune für die Feuerwehr, es dauerte aber noch bis zum Juli 1896, bis diese tatsächlich der Feuerwehr zur Verfügung stand.

 

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